Albanien, Snackifikation, Japan: So geben Deutsche Geld aus
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Die Deutschen bleiben im Urlaub besonders ausgabenfreudig. Im Sommer 2025 gaben sie auf Reisen im Ausland 22 Prozent mehr aus als ein Jahr zuvor.
Den anhaltenden Boom mit überraschenden Trends belegt eine Mega-Studie des Kreditkartenanbieters Visa, bei der mehr als 78 Milliarden Transaktionen im vorigen Jahr anonym ausgewertet wurden und FOCUS Online exklusiv vorliegt. Anders als Befragungen zu Reiseabsichten oder Buchungsverhalten zeigen die ausgewerteten Transaktionen reale Geldflüsse für Urlaubszwecke auf.
- Albanien legt als Ziellland um 75 Prozent zu: Südosteuropas neuer Reise-Hotspot
- Mallorca-Showdown: Deutsche holen Briten bei den Insel-Ausgaben ein
- Kreuzfahrtboom: Mit 26 Prozent Ausgabenwachstum die dynamischste Reiseart von allen
- Neuer Trend „Snackification“: Deutsche zahlen öfter für viele kleine Erlebnisse
Ergebnis: Das Reiseverhalten ändere sich, die Urlauber seien spontaner, suchten gezielt Erlebnisse und zahlten häufiger digital. „Die Reiselust bleibt hoch. Unsere Daten zeigen: Deutsche investieren gezielt in das, was einen Urlaub unvergesslich macht: Erlebnisse, Begegnungen und Genuss“, kommentiert Tobias Czekalla, Deutschlandchef von Visa. „Gleichzeitig entdecken sie neue Destinationen und zahlen dabei immer selbstverständlicher digital.“
Besonders die Eurozone profitiert: Hier stiegen die Ausgaben im Sommer um 23 Prozent. Klassiker wie Italien, Frankreich und Österreich bleiben führend im deutschen Reiseranking. Gleichzeitig gewinnen neue Destinationen an Bedeutung. An der Spitze steht Albanien mit einem Plus von 75 Prozent. Auch Kosovo sowie Bosnien und Herzegowina wachsen stark.
Südosteuropa etabliert sich damit als aufstrebende Reiseregion. Das gelte ebenfalls für 2026, zumal bisher nur wenig bis kein Einfluss des Nahost-Kriegs auf das Reiseverhalten zu spüren sei. Visa erwartet, dass insbesondere die europäischen Urlaubsländer aufgrund der aktuellen Entwicklungen sowie aufgrund der Kostensteigerungen 2026 noch stärker im Fokus stehen werden.
Bei den Ausgaben der Urlauber lohnt ein Blick auf die kleineren Destinationen: Zwar besuchten viel weniger deutsche Gäste exklusivere und kleinere Destinationen wie Monaco, Island oder Andorra, aber: sind sie einmal vor Ort, dann geben sie dort aber überdurchschnittlich viel Geld pro Tag aus. Laut der Visa-Analysten würden diese Destinationen eher als andere ein kaufkräftiges und luxuriös orientiertes Reise-Klientel anziehen.
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Mallorca bleibt laut der Studie eines der wichtigsten Reiseziele der Deutschen – und ist Schauplatz eines engen Rennens um die größten Ausgabenanteile. 2024 führten Besucher aus dem Vereinigten Königreich mit 24 Prozent der touristischen Ausgaben auf der Insel. Im Sommer 2025 holten die Deutschen deutlich auf und liegen nun gleichauf an der Spitze.
Trotz ähnlicher Gesamtanteile unterscheidet sich das Ausgabeverhalten klar: Britische Reisende sind die klaren Ausgabenkönige der Gastronomie. Deutsche Urlauber hingegen geben besonders viel im Einzelhandel aus: Rund jeder dritte Euro fließt in Einkäufe.
Bei Fernreisen dominieren weiterhin klassische Ziele wie die USA, Kanada, Japan sowie Indonesien und Thailand. Den stärksten Zuwachs verzeichnete 2025 überraschenderweise Japan: Mit einem Anstieg der Ausgaben um 59 Prozent katapultiert sich das Land zum wichtigsten Wachstumstreiber im Fernreisesegment.
Innerhalb Europas konzentriert sich die Nachfrage laut der Mega-Studie stark auf die Schulferien. In der reisestärksten Woche liegen die Transaktionen mehr als doppelt so hoch wie in einer typischen Vorsommerwoche. Bei Fernreisen verteilen sie sich dagegen deutlich gleichmäßiger über das Jahr.
Die Wahl der Verkehrsmittel wandelt sich ebenfalls. Flüge bleiben der größte Kostenfaktor, doch Bahn und Kreuzfahrt gewinnen deutlich an Bedeutung. Kreuzfahrten verzeichnen mit rund 26 Prozent sogar das stärkste Ausgabenwachstum aller Segmente. Am Reiseziel nutzen Deutsche jedoch zunehmend Bus und Bahn – ein Hinweis auf eine steigende Nachfrage nach flexiblen und nachhaltigen Mobilitätsangeboten.
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Gleichzeitig verändert sich das Reiseverhalten der Deutschen grundlegend. Der lange Zeit typische, „minutiöse Planer“, der alles Monate im Voraus festzurrt, verliert offensichtlich an Bedeutung. Stattdessen agieren laut der Analyse viele Reisende spontaner und flexibler vor Ort. Ein Indikator dafür ist die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs: Die entsprechenden Transaktionen stiegen 2025 um 24 Prozent und sprechen für kurzfristige Entscheidungen und individuelle Entdeckungstouren.
Auch das Klischee des „knausrigen Sparers“ greift nicht. Im Durchschnitt geben deutsche Urlauber pro Tag und Karte 70 Euro aus. Für Unterkünfte investieren sie mit durchschnittlich 162 Euro pro Buchung überdurchschnittlich viel – und liegen damit über dem Niveau vieler anderer europäischer Reisender.
Erlebnisse und spontane Ausgaben prägen das Reiseverhalten zunehmend. Deutsche Urlauber investieren verstärkt in Gastronomie, Kultur und Aktivitäten. Ausgaben für Restaurantbesuche, Museen, geführte Touren und Souvenirs wachsen laut den Visa-Daten am stärksten – teils um mehr als 27 Prozent.
Für viele steht damit nicht mehr der klassische Strandurlaub im Mittelpunkt, sondern das Gesamterlebnis vor Ort. Gleichzeitig fragmentieren sich die Ausgaben: Das Urlaubsbudget verteile sich stärker auf viele kleinere, situative Zahlungen – vom Cafébesuch bis zum Souvenirkauf. Reisen entstehe so als „Summe zahlreicher Einzelmomente“.
FOCUS
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