Mit Zero-Sum-Mindset werden Sie eher kriminell als reich
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Wer Reichtum moralisch ablehnt, blockiert oft unbewusst den eigenen Erfolg. Wie Zero-Sum-Denken Wohlstand verhindert und Vorurteile nährt.
Wenn Sie glauben, dass Reiche nur reich sind, weil sie den Armen etwas weggenommen haben, dann richten sie damit eine unbewusste Blockade dagegen auf, dass Sie reich werden – zumindest gilt das dann, wenn Sie ein Mensch mit moralischen Werten sind, der anderen keinen Schaden zufügen möchte.
Ich habe in meiner Dissertation „Psychologie der Superreichen“ gezeigt, dass ein enger Zusammenhang zwischen finanziellem Erfolg einerseits und Persönlichkeitsmerkmalen bzw. Einstellungen und Glaubenssätzen andererseits besteht.
Mentale Blockaden gegen das Reichwerden sollten nicht unterschätzt werden. Wenn Ihnen Ihr Zero-Sum Mindset sagt: „Ich muss anderen Schaden zufügen bzw. etwas wegnehmen, wenn ich selbst zu Geld kommen will“, dann bauen Sie damit eine sehr wirksame Blockade in Ihrem Unterbewusstsein gegen Reichtum auf. Selbst wenn Sie reich werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie das Geld aufgrund dieser negativen Programmierung früher oder später verlieren.
Das Meinungsforschungsinstitut Allensbach hat die Deutschen gefragt, wie sie die Persönlichkeit von Reichen sehen. Die fünf am häufigsten genannten Eigenschaften waren ausnahmslos negativ.
- 62 Prozent hielten Reiche für egoistisch,
- 56 Prozent sagten, sie seien materialistisch („denken nur ans Geld“),
- 50 Prozent hielten Reiche für rücksichtslos,
- 49 Prozent für gierig und
- 43 Prozent für überheblich.
Danach kamen erst positiv bewertete Eigenschaften wie
- Fleiß (42 Prozent),
- Wagemut (41 Prozent),
- Intelligenz (40 Prozent) und
- visionär/weitblickend (39 Prozent).
Auch Eigenschaften wie Gefühlskälte (28 Prozent) und Oberflächlichkeit (18 Prozent) wurden Reichen nachgesagt, während nur drei Prozent Ehrlichkeit für eine Eigenschaft hielten, die man oft bei Reichen finde.
Darauf aufbauend wollte Allensbach wissen, wie viele Befragte überhaupt einen Millionär kannten. Hier zeigte sich, dass sich 80 Prozent der Menschen ihre Meinung über Millionäre gebildet haben, ohne auch nur einen einzigen näher zu kennen (in Ostdeutschland waren es sogar 94 Prozent). Nur acht Prozent der Befragten kannten persönlich mehrere Millionäre und neun Prozent kannten immerhin einen einzigen.
Diejenigen, die persönlich mindestens einen Millionär näher kannten, hatten eine viel positivere Meinung als die anderen. Die Millionäre, die sie persönlich kannten, beurteilten sie ausgesprochen positiv:
- Jeweils 71 Prozent hielten sie für fleißig und für intelligent,
- 58 Prozent für einfallsreich,
- 47 Prozent für optimistisch,
- 45 Prozent für weitblickend.
Und während in der Gesamtbevölkerung nur drei Prozent Reiche für ehrlich hielten, sagten dies 42 Prozent der Deutschen über den Reichen, den sie selbst kannten.
Dies war in den anderen Ländern, in denen Ipsos MORI die Befragung durchgeführt hat, ähnlich: In Spanien und Italien sagten sogar nur 1 Prozent der Befragten, Reiche seien ehrlich, während dies über den persönlich bekannten Reichen immerhin 21 bzw. 15 Prozent angaben. In Schweden sagten nur sechs Prozent der Befragten, Reiche seien ehrlich, aber über den Reichen, den sie kannten, 35 Prozent.
Wichtig dabei ist: Nach dem Moral Primacy Model (MPM) wird unser Urteil über andere Menschen maßgeblich auf Basis von moralischen Werten – wie etwa Ehrlichkeit – gefällt. Denn zuerst will ich wissen, ob der Andere es gut oder schlecht mit mir meint, also ob er Freund oder Feind ist. Ein moralisch schlechter Mensch wird nicht dadurch positiver beurteilt, dass er zugleich auch intelligent und fleißig ist – er wird dadurch nur noch gefährlicher. Daher können positive Zuschreibungen wie „Intelligenz“ und „Fleiß“ negative Zuschreibungen wie „Unehrlichkeit“ und „Rücksichtslosigkeit“ keineswegs ausgleichen.
Tatsächlich spricht nichts dafür, dass reiche Menschen im Schnitt unehrlicher sind als Arme – es ist ja nicht so, dass sich im Villenviertel alle Gauner versammeln und im sozialen Brennpunkt alle moralischen Lichtgestalten. Aber die verbreitete Überzeugung, dass Reiche unehrlich sind, korrespondiert natürlich mit dem Nullsummenglauben, Reiche seien nur auf Kosten der Armen reich geworden.
Der amerikanische Soziologe George Gilder schrieb in seinem Buch „Reichtum und Armut“, das Vorurteil, aller Reichtum sei durch Diebstahl und Betrug entstanden, halte sich „am hartnäckigsten in den Gefängnissen und – an der Harvard-Universität“. Ja, viele Gefängnisinsassen sind vermutlich Nullsummengläubige, denn sie sind fest davon überzeugt, dass sie nur zu Wohlstand kommen können, wenn sie anderen Menschen etwas wegnehmen: indem sie in eine Wohnung einbrechen oder jemanden ausrauben, Scheckbetrug begehen oder Schutzgeld erpressen. In meiner Jugend habe ich einige Kriminelle kennengelernt: Die konnten sich gar nicht vorstellen, Geld auf legale Weise zu verdienen, sondern glaubten, dass sie andere schädigen müssen, um selbst zu Geld zu kommen.
Diesen Nullsummenglauben gibt es auch in der Politik bzw. der Wirtschaft. Klassisch formuliert hat ihn Bertolt Brecht in seinem Gedicht „Alfabet“:
„Reicher Mann und armer MannStanden da und sahn sich an.Und der Arme sagte bleich:
Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“
Wenn Menschen dies glauben, aber selbst keine hohen moralischen Maßstäbe haben bzw. selbst sehr egoistisch und rücksichtslos sind, dann kann der Nullsummenglaube kombiniert mit anderen Persönlichkeitsmerkmalen bis hin zur Kriminalität führen. Es wäre interessant, eine Befragung bei Dieben, Räubern und Betrügern zu machen, und meine Hypothese ist, dass von ihnen viele der festen Überzeugung sind, sie könnten nur zu Geld kommen, indem sie es anderen wegnehmen.
Dies ist ein Auszug aus Rainer Zitelmanns Buch Zero-Sum Mindset – weitere Leseauszüge finden Sie hier.
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