Alle high, oder was? Cannabisschwaden am US Open nerven die Tennisspieler


Vergangene Woche erreichte Casper Ruud an der Seite der Polin Iga Swiatek den Final des Mixed-Double-Wettbewerbs der US Open; das Paar erhielt dafür 400 000 Dollar Preisgeld. Ziemlich viel für drei Siege in einem Schau-Event von überschaubarer sportlicher Relevanz.
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Doch für Ruud, 26, war es offenbar nicht genügend Schmerzensgeld für das Martyrium, welches er zu ertragen hatte. «Für mich ist es das Schlimmste an New York: Dieser Cannabisgestank überall. Sogar hier, wo das Turnier gespielt wird», sagt er. «Ich finde es nervig, dass Leute Joints rauchen, während wir auf dem Platz stehen. Es ist nicht lustig, wenn man als müder Spieler Haschisch einatmen muss. Aber solange die Gesetze sich nicht ändern, können wir nichts machen.»
Ruud ist nicht der Erste, der Graswolken über Flushing Meadows ausgemacht hat. Martina Hingis ging es einst gleich, Alexander Zverev sagte, es rieche dort wie in «Snoop Doggs Wohnzimmer». Über Snoop Dogg, den Rapper und Geschäftsmann, muss man wissen, dass er jahrelang einen persönlichen «blunt roller» beschäftigte, eine Person, die nichts anderes tat, als seine Joints zu drehen.
In New York ist der Cannabiskonsum vor vier Jahren legalisiert worden. Auf dem Gelände der US Open ist das Rauchen eigentlich verboten, aber im Zeitalter von Vapes ist die Kontrolle fast unmöglich – an manchen Tagen säumen mehr als 70 000 Menschen die Anlage. Und dem Vernehmen nach zieht hie und da auch eine Schwade aus den benachbarten Parks über die Courts.
Man würde denken, dass man das überlebt als Tennisprofi. Aber es überrascht nicht, dass die Empfindlichkeiten gerade in dieser Sportart gross sind. Als Zuschauer ist man im Tennis bestenfalls geduldet; gerne darf man das Eintrittsgeld abliefern, aber auf keinen Fall während eines Ballwechsels ein Geräusch von sich geben oder sich bewegen. Geht es nach Ruud, müsste man die Etikette vermutlich darum erweitern, im Umkreis von fünf Kilometern ja nicht an einem Teufelsknebel zu ziehen.
Immerhin: Ruud muss sich nicht länger grämen, er hat sein Zweitrundenspiel gegen den Belgier Raphaël Collignon als turmhoher Favorit verloren. Was ihm womöglich auch sonst gelegen kommt, wer weiss. Jedenfalls hat Ruud sich vor kurzem darüber beklagt, wie viel ihm der norwegische Staat auf das gewonnene Preisgeld an Steuern abknöpft.
«Es schmerzt, so viel bezahlen zu müssen. Ich denke, das ist der völlig falsche Weg, die Regierung schiesst sich so ins eigene Bein», sagte er der schwedischen Wirtschaftszeitung «Dagens Industri» – mutmasslich traurig in über offenem Feuer erwärmten Dosenravioli stochernd. Etwas mehr als 21 Millionen Dollar hat Ruud in seiner Karriere bisher erspielt, Werbeverträge nicht eingerechnet. «Norwegen bedeutet Teamwork, jeder trägt seinen Teil zu einer der am besten funktionierenden Gesellschaften der Welt bei», entgegnete ihm darauf der Zentrumspolitiker Per Martin Sandtröen.
Ruud soll die Gedankenspiele über einen Wegzug aus Norwegen inzwischen verworfen haben. Sollte er es sich irgendwann doch noch anders überlegen: New York soll ganz schön sein.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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