Papa, wann stirbst du endlich? Nefeli Kavouras' Familienroman über letzte Dinge

Nefeli Kavouras schreibt leichtfüssig und mit einer erstaunlichen Wendung über einen Abschied. Ein lesenswerter Debütroman.
Tobias Lentzler

Zugegeben: Ein heiter-leichter Sommerroman ist das Debüt «Gelb, auch ein schöner Gedanke» der Hamburgerin Nefeli Kavouras nicht. Es ist ein Buch über das Sterben. Erzählt wird die Geschichte des langsam dahinscheidenden Architekten Georg abwechselnd aus Sicht seiner Tochter Lea und seiner Frau Ruth. Während diese ihn nicht loslassen kann, hofft Lea, dass ihr Vater nun endlich einen Weg aus dem Leben hinausfindet. Das klingt herzlos. Aber wer weiss schon, wie es sich anfühlt, wenn ein geliebter Mensch von Tag zu Tag weniger wird.
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Lea hatte früher eine besonders innige Verbindung zu ihrem Vater – Ruth fühlte sich in ihrer Gesellschaft oft wie die «Mutter zum Zweck». Doch jetzt ist Lea ein Teenager – und das Sterben ihres Vaters dauert an, seit sie acht ist. Nichts wünscht sie sich sehnlicher als ganz normale, unbeschwerte Sommerferien: Zeit mit ihren Freunden am See verbringen, sich das erste Mal verlieben und aller anderen Sorgen ledig sein.

Zu Beginn des Romans schöpft Lea Hoffnung – es sieht danach aus, als würde ihr Vater nun auf seine letzte Reise gehen. Aber statt Georg für seine letzten Tage in die Obhut eines Hospizes zu geben, holt Ruth ihren Mann nach Hause und quartiert ihn in seinem alten Arbeitszimmer ein, das bald nur noch das «Sterbezimmer» heissen wird. Dann passiert es: Georg lässt seine menschliche Hülle hinter sich. Doch statt zu sterben, verwandelt er sich in ein Pferd. Plötzlich tauschen Lea und Ruth die Rollen. Letztere empfindet für diesen «Gaul» rein gar nichts, Lea nimmt ihn sofort als ihr «Papapferd» an.
Diese unerwartete Wendung atmet den Geist des magischen Realismus – und sie macht in diesem klugen Familienroman erstaunlich viel Sinn, weil sie dem Text eine spielerische Leichtigkeit gibt, ohne dem ernsten Gegenstand seine Bedeutung zu nehmen.
Nefeli Kavouras: Gelb, auch ein schöner Gedanke. Kiepenheuer & Witsch 2026. 240 Seiten.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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