Gangplatz, Bier, keine Bewegung – so werden Sie im Flieger am ehesten krank
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Im Flugzeug teilen sich Reisende nicht nur die Vorfreude auf den Urlaub, sondern auch die Luft, Sanitäranlagen und enge Sitzreihen. Mit ein paar Tipps bleiben Sie auf langen Flügen trotzdem gesund und starten erholt in den Urlaub.
Die Koffer sind gepackt, die Pässe liegen griffbereit – jetzt heißt es nur noch: ab zum Flughafen, einchecken und losfliegen. Doch über den Wolken teilen sich Passagiere nicht nur die Aussicht, sondern auch jede Menge trockene Kabinenluft, beengte Sitzreihen und eine bunte Mischung aus Bakterien und Viren.
Mit ein paar einfachen Tipps lässt sich das Risiko für Infektionen, schwere Beine, Kreislaufprobleme und Jetlag aber deutlich verringern – damit Sie nicht nur sicher, sondern auch gesund an Ihrem Urlaubsort ankommen.
Schniefende und niesende Sitznachbarn, gemeinschaftlich genutzte Oberflächen und Sanitäranlagen sind in der Kabine kaum zu umgehen. Wer sich im Flieger schützen will, sollte die gleichen Grundregeln beachten, die auch zur Erkältungszeit gelten:
- regelmäßiges Händewaschen,
- desinfizieren von Händen und Oberflächen sowie
- unter Umständen das Tragen einer Maske
Diese Maßnahmen können Infekte vorbeugen und auch andere davor schützen. Wird klar, dass ein Sitznachbar oder eine Sitznachbarin offensichtlich krank und ansteckend ist (und keine Anstalten macht, auf andere Rücksicht zu nehmen, wie etwa bei einem Fall in den USA), können Sie das Flugpersonal auch um einen anderen Sitz bitten – vorausgesetzt der Flug ist nicht ausgebucht.
Wer darüber hinaus auf Nummer sicher gehen will, sollte sich übrigens einen Fensterplatz suchen. US-amerikanische Forschende haben herausgefunden, dass Passagiere, die am Gang sitzen, das höchste Risiko haben, sich während des Flugs anzustecken. Grund sei das häufige Aufstehen – etwa um andere Passagiere rauszulassen – und der erhöhte Kontakt zu anderen Personen.
Einige Studien zeigen außerdem, dass das Einschalten des kleinen Luftventils über jedem Sitz, des sogenannten „Gaspers”, Ansteckungsrisiken minimieren kann.
Wer am anderen Ende der Maschine ein Husten oder Niesen vermerkt, muss aber keine Angst haben. Denn ein Flugzeug ist kein geschlossenes System – die Belüftungssysteme sind darauf ausgelegt, dem Ansteckungsrisiko entgegenzuwirken.
In großen Passagiermaschinen etwa erneuert sich laut den US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) 20 bis 30 mal pro Stunde die Kabinenluft. Dabei kommen HEPA-Filter zu Einsatz, die die Luft von Viren, Pollen, Bakterien und Staub reinigen sollen. Etwa 35 bis 55 Prozent dieser recycelten Kabinenluft wird mit frischer Außenluft gemischt, bevor diese der Kabine wieder zugeführt wird.
In Verkehrsflugzeugen herrscht in der Regel ein Luftdruck, der dem in ca. 1800 bis 2400 Höhenmetern entspricht – also beispielsweise in den mittelhohen Bereichen der Allgäuer Alpen. Passagiere atmen daher weniger Sauerstoff ein als normalerweise. Das kann für Personen mit Vorerkrankungen, wie etwa
- Blutarmut (Anämie),
- Lungenproblemen
- oder Schlaganfall
problematisch werden. Bekannte Risiken sollten Sie vor einer Reise deswegen immer mit Ihren Ärzten und Ärztinnen besprechen.
Diese Druckluft kann außerdem auch trocken sein. Aufgrund der relativen Luftfeuchtigkeit von etwa fünf bis 25 Prozent, wie aus einer 2017 in Clinical Cardiology veröffentlichten Übersichtsarbeit hervorgeht, kann sie zu Problemen führen. Dazu zählen beispielsweise trockene Haut und Schleimhäute sowie Atemwegsbeschwerden inklusive Schnarchen.
Trockene Schleimhäute erhöhen das Infektionsrisiko, lassen sich aber genauso wie trockene Augen oder Reizhusten mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr regulieren. Das Auswärtige Amt empfiehlt an Bord jede Stunde mindestens 0,25 Liter Flüssigkeit zu trinken und Alkohol zu vermeiden. Genau wie Koffein kann letzteres dehydrierend wirken.
Weitere Gründe, um lieber erst am Urlaubsort anzustoßen, liefern Expertinnen und Experten vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Die Kombination aus Alkohol, Schlaf und den erniedrigten Druckbedingungen in einer Flugzeugkabine während eines Langstreckenflugs senkt die Sauerstoffmenge im Blut und erhöht die Herzfrequenz über einen längeren Zeitraum, selbst bei jungen und gesunden Menschen”, berichtet Eva Elmenhorst, Leiterin der Arbeitsgruppe Leistung und Schlaf am DLR.
Das hatten die Forschenden in einer 2024 veröffentlichten Studie bereits bei einer Alkoholmenge vergleichbar zu zwei Dosen Bier oder zwei Gläsern Wein gezeigt. Die Testpersonen schlummerten außerdem weniger tief und hatten eine verkürzte REM-Phase im Vergleich zur nicht alkoholisierten Gruppe.
Vor allem bei Langstreckenflügen, bei denen man häufig mehrere Zeitzonen durchfliegt, kann der Schlafrhythmus aufgrund des Jetlags allerdings durcheinander geraten. Das beeinflusst mitunter die Aufmerksamkeit und Entscheidungsfähigkeit. Das Auswärtige Amt empfiehlt daher:
- Bei Nachtflügen lieber einen leichten Snack statt üppigem Abendessen zu sich nehmen.
- „Do not disturb until breakfast” – Sticker beim Personal anfragen.
- Möglichst früh schlafen bei einem Nachtflug.
- Setzen Sie sich am Zielort in der Mittagspause dem Tageslicht aus. Das hilft, die innere Uhr neu zu stellen.
Wer längere Strecken zu einem lang ersehnten Urlaubsort zurücklegt, sitzt unter Umständen mehrere Stunden an einem Fleck. Das kann das Risiko für eine tiefe Venenthrombose erhöhen. Bedingt durch das lange Beugen im Knie und in der Leiste in Kombination mit dem niedrigen Luftdruck, verlangsamt sich der venöse Blutstrom zum Herzen. So können Blutgerinnsel, häufig im Bein, entstehen. Wandern diese in die Lunge, kann das fatale Folgen haben. Verstopfen sie ein Blutgefäß in der Lunge kommt es zur Lungenembolie, die unbehandelt tödlich enden können.
Zur Vorbeugung dieses sogenannten Economy-Class-Syndroms gibt es ein paar einfache Tipps:
- Versuchen Sie während des Flugs immer mal wieder aufzustehen und im Gang zu laufen.
- Bewegen Sie zwischendurch die Zehen und lassen die Füße kreisen. Auch ein An- und Entspannen der Beinmuskulatur kann die Durchblutung fördern.
- Tragen Sie nichts, was die Taille einschnürt.
- Nutzen Sie Kompressionsstrümpfe – sie helfen dabei, den Blutfluss zurück zum Herzen aufrechtzuerhalten.
Erste Signale für das Syndrom, auch Reisethrombose genannt, können
- Schmerzen in den Waden oder beim Auftreten,
- Schwellungen der Unterschenkel (häufig einseitig)
- und eine bläuliche Färbung der Haut sein.
Wer ein erhöhtes Thromboserisiko hat, beispielsweise aufgrund einer Schwangerschaft oder starkem Übergewicht, sollte verstärkt auf diese Signale achten. Bei einem hohen Risiko, etwa bei schweren Erkrankungen wie Krebs oder kürzlich erfolgten großen Operationen, sollten Betroffene ihre Flugreisetauglichkeit früh genug ärztlich abklären lassen.
Und auch nach dem Flug ist noch Vorsicht geboten: Das erhöhte Thromboserisiko besteht noch bis etwa vier Wochen nach einer Langstreckenreise. Plötzlich auftretende Atemnot, Herzrasen, ein beklemmendes Gefühl im Brustkorb, Husten oder Fieber können auch dann noch Anzeichen für eine Lungenembolie sein.
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